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INSITE 2020

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Das Magazin des Hotels Bayerischer Hof 2020.

JAZZ HAUPTSACHE ORIGINAL

JAZZ HAUPTSACHE ORIGINAL Wenn ein Musiker einem anderen auf die Schulter klopft und meint: »Play Your Own Thing!«, dann kann es sich eigentlich nur um Jazzer handeln. Denn die machen im besten Fall, was sie wollen TEXT UND FOTOS RALF DOMBROWSKI Der Hipster ist eine Erfindung des Jazz. Als die Musiker der 1940er Jahre sich vom Unterhaltungs-Swing emanzipierten, zeigten sie auch äußerlich, dass sie anders waren als die Pflichterfüller in den Tanzorchestern. Baskenmütze, Hornbrille, Anzug und kantige Melodien, das war Thelonious Monk, als der Bebop erfunden wurde. Dizzy Gillespie schloss sich an, trug selbst bald das Barett, während der Klavierkollege inzwischen andere seltsame Hüte bevorzugte, ähnlich wie der Saxophonist Lester Young, den man schon von weitem an seinem Pork Pie Hat erkannte. Wohingegen der coole Miles Davis eine Zeit lang schwarze Rollkragenpullis bevorzugte, amtliche Insignien der Existentialisten, mit denen er sympathisierte. Das alles waren Zeichen dafür, dass Jazzmusiker Stanley Clarke: Fusion-Freak und Bass-Magier mit der Energie der alten Schule Roy Hargrove: Ein Hauch von Blue Note im Night Club mit dem Trompeten- Star aus Texas JAZZ FOR FUN Jazz gave birth to the hipster. Their attire was one way for musicians in the Forties to advertise their break with dance-orchestra performances. Thelonius Monk, whose punchy melodies launched the bebop, wore a beret, horn-rimmed spectacles and a suit. So did trumpeter Dizzy Gillespie, then moving on to even stranger headgear. Saxophonist Lester Young stuck out in any crowd thanks to his pork pie hat, whereas for a while his polo-neck sweaters marked Miles von dem Moment an, als sie sich als Kreative verstanden, letztlich zum Gesamtkunstwerk des Individuellen wurden, was der Hipster als Jazz-Spielart des Beatniks in der Literatur so lange verkörperte, wie er sich gegen all die Spießer, die Squares, durchsetzen musste. Im Laufe der Jahre relativierte sich zwar die Bedeutung der Äußerlichkeiten: Einige Künstler blieben Paradiesvögel wie Miles Davis, dessen schillerndes Bühnenoutfit Modemagazine beschäftigte, während andere wie der Saxophonist John Coltrane das Image des spirituellen Workaholics pflegten oder wieder andere sich auf afrikanische Tribal Culture bezogen wie der Kreis um das Art Ensemble aus Chicago. Die Bedeutung des Own Things aber blieb. Denn Jazz ist eine Musik, die von einzelnen geprägt wird, von Personalstilen ungewöhnlicher Querdenker, die sich mehr und offener als andere mit den Grenzen des Ausdrucks auseinandersetzen und mit den Möglichkeiten, sie hinter sich zu lassen. Das macht es bis heute spannend. Denn immer dann, wenn ein Musiker die Regeln bricht, hat er die Option, über sich hinaus zu wachsen. Das ist auf der Bühne des Night Clubs und auch im Festsaal beim Jazz Sommer immer wieder passiert. Konzerte von Michael Brecker zum Beispiel gehörten zu den Momenten der Grenzüberschreitung, die die Menschen im Publikum staunen ließen. Der große Jazzsänger Al Jarreau revolutionierte vor Ort zwar nicht die Musik, verdichtete dafür aber mit einer Mischung aus Präsenz und souligem Swing die Energien. Randy Weston brachte eine spezielle Mixtur aus Jazz und arabesken Tönen in den Night Club, Ahmad Jamal das Pathos weit ausholender Klanggesten. Gitarristen wie Mike Stern oder John Scofield rockten den Laden so nachhaltig, bis der Schweiß schier von der Decke tropfte, während die Stars der brasilianischen Musik wie João Bosco, Ivan Lins oder Gilberto Gil die Leichtigkeit der südamerikanischen Rhythmen importierten. Mike Stern: Gitarren- Guru mit Geschichte und ein Fan des Night Clubs Allen gemeinsam ist die Verwurzelung der Kunst im Individuellen. Wenn ein Dominic Miller im Night Club zur Nylonsaiten-Gitarre greift, dann hat er eben seinen ganz speziellen, luftigen Sound, der einen Abend zum Erlebnis werden lässt. Wenn Maria João ihre portugiesisch-brasilianischen Koloraturen anstimmt, singt eben nur sie derart charmant mit einem Augenzwinkern in der Musik. Oder wenn Stanley Davis an existentialist. Jazz musicians aware of their creativity turned into a whole body of work. Much as their literary confrères, the beatniks, they rejected anything too square. Gradually the symbols of appearance waned but some artists like Miles Davis carried on as birds of paradise on the cover of magazines. Saxophonist John Coltrane took on the image of a Spiritual Workaholic, and others, like the Art Ensemble in Chicago, tuned into African Tribal Culture. But playing one's Own Thing remained paramount. Jazz is redolent with lateral thinkers-cum-players whose individual style probes the limits of expression and explores their hinterland once they have been transgressed. That is what keeps audiences in suspense. Will one of these transgressors surpass himself with a superb performance? There have been many such magic moments on stage at the Night Club or in the Ballroom, not least the concerts with Michael Brecker. The all-time great Al Jarreau hinted at a revolution with his mix of soul 'n' swing. Randy Weston performed jazz gone arabesque. Ahmad Jamal filled long-drawn notes with plaintive emotions. Maria João's charm seemingly evoked a smile from her Brazilian coloratura. Guitarists Mike Stern or John Scofield rocked the hotel to its foundations. Ivan Lins and Gilberto Gil, as featherweight champions of the light Latin-American touch, left the likes of Dominic Miller with his nylon-stringed guitar and Stanley Clarke on bass to delight lovers of power play. The hybrid roots of their music are submerged in tradition, with not a pedigree worth mentioning in sight. They take audiences at the Hotel Bayerischer Hof down to uncharted depths. A superstar like John McLaughlin suddenly reverts to being the teenager practising with his combo in a garage. All those years ago. Clarke den Bass mit grandioser Vehemenz zum Schwingen bringt, dann ist er eben der Erfinder eines eigenen, sehr virtuosen Spielstils, der Jazz, Funk und Soul kombiniert. Es geht um das Miteinander von Tradition, gemeinschaftlichem Gestalten und der Möglichkeit, sich an den Regeln zu messen und sie von Fall zu Fall hinter sich zu lassen. Wer sich also Jazz ins Haus lädt, weiß genau, dass er damit ein Risiko eingeht. Diese Musik ist eine Herausforderung. Sie hat das Unerhörte im Stammbaum und das heißt auch, dass mancher Abend sich in eine andere Richtung entwickeln kann, als man ursprünglich vermutet hatte. Ein Roy Hargrove etwa spielt sich in Ekstase, weit mehr, als man es in einem Vertrag hätte festlegen können. Ein Dave Holland schafft Momente der Konzentration, bei denen jeder darum bangt, sein Mobiltelefon rechtzeitig vorher auf Flugmodus gestellt zu haben. Ein John McLaughlin wird auf der Night Club-Bühne vom Superstar wieder zum Garagenjazzer, der seine Combo zu Höchstleistungen antreibt. Das sind Momente, wo die Musik Intensität atmet. Und der Jazz zeigt, wozu er fähig ist. Gilberto Gil: Brasiliens Meister der Lieder huldigt der Schönheit der Musik 82 INSITE 2020 2020 INSITE 83

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