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INSITE 2020

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Das Magazin des Hotels Bayerischer Hof 2020.

ART werden. MUSEUM

ART werden. MUSEUM BRANDHORST Zu 01. Bis in den Sommer 2020 hinein zeigen wir die große Jubiläums-Schau Forever Young (bis zum 19.7.2020) mit Highlights unserer Sammlung. Im Museum Brandhorst befinden sich europaweit die größten Bestände von Andy Warhol und Cy Twombly, darüber hinaus Hauptwerke von Sigmar Polke, Richard Avedon, Cady Noland, Damian Hirst oder Wolfgang Tillmanns. Am 10. September eröffnen wir eine Ausstellung mit der schottischen Künstlerin Lucy McKenzie, die sich in ihren technisch hoch virtuosen Bildern an der Schnittstelle zwischen Kunst, Mode und Design bewegt. Lucy McKenzie, Quodlibet X, 2010, Öl auf Leinwand, Metall, Glas; Foto: Galerie Buchholz, Köln/Berlin/New York © Lucy McKenzie Achim Hochdörfer, Museum Brandhorst to attain cult status. In the autumn James Ensor, René Magritte and a wide range of other Belgian painters spirit us back into the surreal worlds which these modern classicists introduced at the end of the 19th century. 02: As a warm-up to our modern Flemish art exhibition I'm looking forward to death-wish and decadence guaranteed by Berlin's Alte Nationalgalerie's exhibition on Belgian symbolism from 15.5. to 13.9.2020. This take on the morbid undercurrent pervading a sated society in crisis should be a fitting precursor of our own Belgian show. MUSEUM BRANDHORST 01: Till 19.7.2020 we will be hosting the show “Forever Young“. We Zu 02. Empfehlen kann ich die Wiedereröffnung des MoMA in New York mit dessen großartiger neuer Sammlungspräsentation. Die Yayoi-Kusama-Retrospektive im Martin-Gropius-Bau in Berlin und im Museum Ludwig in Köln wird sicherlich ein Erlebnis. Und persönlich freue ich mich auf eine Ausstellung von zentralen Werken der Sammlung Brandhorst, die im Oktober 2020 im Neuen Museum in Nürnberg eröffnet wird. Frank ALTE PINAKOTHEK Zu 01. Ab dem 13. Oktober werden wir mit Jacobus Vrel in der Alten Pinakothek eine Ausstellung präsentieren, die nicht allein Freunde Alter Meister interessieren und begeistern wird, sondern auch jene, die sich vor allem mit Werken zeitgenössischer Kunst auseinandersetzen. Mit dem neuartigen Konzept der Ausstellung dürften wir auch ein international erfahrenes Publikum ansprechen, das viele Sonderausstellungen weltweit besucht. Denn wir werden die Gemälde eines rätselhaften, nahezu unbekannten Meisters des 17. Jahrhunderts mit Positionen zeitgenössischer Kunst auf ungewöhnliche Weise kombinieren. Die Gegenüberstellung der Alten Meister mit aktueller Kunst, die größtenteils eigens für die Ausstellung angefertigt wird, eröffnet dem Publikum neue Perspektiven, von denen es im Vorfeld noch nichts ahnt. Die Identität von Jacobus Vrel ist nach wie vor gänzlich unbekannt. Es gibt keinen einzigen Hinweis auf seine Existenz. Geblieben sind seine Werke, die der Künstler auf unterschiedlichste Weise signierte. Von den rund 50 erhaltenen Gemälden tragen wir in München zwei Drittel aus Museen und Privatsammlungen weltweit zusammen. Das an sich ist schon ein großer Erfolg, denn seine ungewöhnlichen Kompositionen erzielen auf dem Kunstmarkt derzeit Höchstpreise. Bernd Ebert, Alte Pinakothek Das Spannende für uns als Wissenschaftler, die dieses Projekt seit Jahren in einem internationalen Forschungsverbund mit der Fondation Custodia in Paris und dem Mauritshuis in Den Haag als weitere Stationen der Ausstellung planen, ist, dass die Werke Vrels in ihrer Zeit unvergleichbar sind. Sie besitzen ein Alleinstellungsmerkmal, das sich nur schwer ergründen lässt. Trotz umfänglicher Recherche und Austausch mit zahlreichen Kollegen verschiedenster Fachdisziplinen bleiben seine Werke rätselhaft. PORTRAITFOTOS FRANK STOLLE Heutige Betrachter beschreiben seine häuslichen Szenen mit Frauen und Kindern als geheimnisvoll oder gar als schaurig und unheimlich. Aber woran genau liegt das und ging es dem zeitgenössischen Betrachter damals schon genauso? In der Ausstellung wird offen mit ungelösten Fragen umgegangen. Im Zeitalter, in dem man vermeintlich alles schnell im Internet recherchieren kann und Informationen in Echtzeit zur Verfügung stehen, ist die Präsentation für einige Besucher vielleicht eine ungewohnte Erfahrung. Die Besucher sind aufgerufen, selbst auf Entdeckungsreise zu gehen und sich die Bilder durch genaues Hinsehen zu erschließen. Den Auftakt der Ausstellung bildet eine Studierkammer, in der die ominösen Umstände geschildert werden, unter denen der Künstler im 19. Jahrhundert (wieder-) entdeckt wurde. Denn als seine Kompositionen damals von Kritikern hoch gelobt wurden, hielt man sie für die Werke des viel bedeutenderen, inzwischen weltberühmten Delfter Malers Johannes Vermeer! Vermeers Bilder zeigen in der Tat ganz ähnliche Motive: Interieurs mit Frauen und Kindern oder auch die Ansicht einer kleinen Straße in einer holländischen Stadt. Ein weiterer Grund für die Verwechselung dürften die übereinstimmenden Initialen JV der Maler gewesen sein. Zu den Werken Vrels, die man für Werke Vermeers hielt, gehören etwa seine Straßenszene in der Hamburger Kunsthalle und jene im Getty Museum in Los Angeles. Nur ganz allmählich gelang es der frühen kunsthistorischen Forschung, die Werke Vrels als eigenständige Werke zu erkennen und von denen seiner Zeitgenossen zu unterscheiden. Auf den ersten Blick wirken Vrels Gemälde vertraut. Straßenbilder einer holländischen Stadt und Interieurszenen, wie wir sie von vielen seiner niederländischen Malerkollegen kennen, die das scheinbar Alltägliche zumeist mit einem moralisierenden Unterton wiedergeben. Und doch sind Vrels Bilder anders. Auf den zweiten Blick nämlich beginnen die vorgestellten Szenen zu kippen. Genau dann, wenn wir näher hinschauen und versuchen, die Bilder zu ergründen, fallen uns eigenartige Details auf. Oft fehlt die Ansprache an die Betrachter. Die Figuren wenden sich von uns ab, zeigen nur ihren Rücken oder wirken in sich gekehrt. Die Szenen vermitteln eine teils gar bedrückende Stille. Ungewöhnlich sind auch Vrels Straßenszenen. Die Kompositionen zeigen eng aneinandergereihte, mehrstöckige und zugleich schmale Häuser aus Ziegelstein. Die räumliche Anordnung der Gebäude erinnert gar an Film- oder Theaterkulissen mit engen Gassen, die nur von wenigen Figuren bevölkert werden. Malte Vrel tatsächlich existierende Orte oder entstammen sie gänzlich seiner Fantasie ohne Bezug zu seiner realen Umgebung? Vrels eigentümliche Bilder stimulieren die eigene Vorstellungskraft und laden dazu ein, Dinge zu possess the largest collections of Andy Warhol and Cy Twombly works, and also outstanding pieces by Sigmar Polke, Richard Avedon, Cady Noland Damian Hirst and Wolfgang Tillmanns. On 10.9. follows an exhibition by Scottish artist Lucy McKenzie whose hi-tech images cast their spell where art, fashion and design intersect. 02: I can recommend the reopening of New York's MOMA, the Yayoi-Kusama retrospective in Berlin's Martin Gropius Building and Cologne's Museum Ludwig. Personally I'm looking forward to October 2020 when the mainstays of our collections will be exhibited in Nuremberg's Neues Museum. ALTE PINAKOTHEK 01: to attract our international regulars, who enjoy specialist shows, we have jazzed up our exhibition featuring Old Master Jacobus Vrel from 13.10.2020 on by juxtaposing the paintings by a largely unknown 17th-century master with contemporary ones executed mainly for this event. Vrel left posterity 50 paintings, of which we have two thirds on loan from museums and private collections. They are acclaimed and fetch high prices, but worldwide art experts have literally no clues as to his private life or the settings of his often gruesome domestic scenes. Starting in a study, constructed to illustrate old masters' working conditions, our visitors will be able to do some detective work of their own. For a long time Vrel's paintings were assumed to be the product of Johannes Vermeer! His street and domestic scenes resemble those of his contemporaries. But viewed more closely the painted figures turn their backs on us. The stillness of a film set pervades Vrel's streets, thus fascinating present-day art cinéasts such as Julian Rosefeldt and Daniel Lang. 02: Following the monographic exhibitions Caravaggio, Bernini and Dürer in Vienna, Leonardo in Paris and Rembrandt-Velazquez in Amsterdam, I'm looking forward to the Raffael review at London's National Gallery from 3.10.2020. on. entdecken und die dargestellten Szenen weiterzudenken, also lebendig werden zu lassen. Sie sind Ausgangspunkt für junge Künstler und Architekten, die unter Leitung der prämierten Filmemacher Julian Rosefeldt und Daniel Lang künstlerische Filme entwickeln. Daneben nehmen Werke der niederländischen Künstlerin Mathilde ter Heijne inhaltlich Bezug auf die ausgestellten Alten Meister. Die Motivation und Begeisterung der Mitwirkenden zu erleben, ist großartig und verspricht ein spannendes, sehenswertes Ergebnis. Zu 02. Nach den großen monografischen Ausstellungen zu Dürer sowie Caravaggio und Bernini in Wien, Leonardo in Paris und Rembrandt-Velazquez in Amsterdam freue ich mich besonders auf die großangelegte Überblicksschau zu Raffael in der National Gallery in London (ab 3. Oktober 2020), ausgehend von den sammlungseigenen zehn Gemälden dieses so bedeutenden Malers der italienischen Renaissance. Mathilde ter Heijne, FFAL # 4 (Geertruydt Roghman), 2005 Privatbesitz © Mathilde ter Heijne, Berlin, Foto: Berndt Borchard Jacobus Vrel, Frau am Fenster, einem Kind zuwinkend Holz, 45,7 x 39,2 cm Paris, Fondation Custodia, Collection Frits Lugt © Fondation Custodia, Sammlung Frits Lugt, Paris Staatsgemäldesammlungen München – Alte Pinakothek 80 INSITE 2020 81 INSITE 2020

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