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INSITE 2020

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Das Magazin des Hotels Bayerischer Hof 2020.

HEALTH MY WAY Mut zum

HEALTH MY WAY Mut zum selbstständigen Handeln und freien Denken: In dem Kultfilm „Der Club der toten Dichter“ lehrt Robin Williams als unkonventioneller Englischlehrer seine Schüler, ihren eigenen Weg zu finden. Eine Botschaft, die heute nicht weniger aktuell ist als 1989, dem Entstehungsjahr des Filmes von Peter Weir Der Sozialpsychologe Prof. Dr. Dieter Frey leitet das Center for Leadership and People Management der Ludwig-Maximilians-Universität München, über seine Arbeit auf Gebieten wie Motivation, Ethik, Zivilcourage, Teamarbeit oder Kreativität hat er rund 600 wissenschaftliche Beiträge veröffentlicht. „Durch seine Forschung ist die Welt etwas fairer und humaner geworden“ heißt es in der Laudatio zu einer seiner zahlreichen Auszeichnungen. My way bedeutet für ihn: „Ich bin für mich selbst verantwortlich – aber auch für die Umwelt. Die mich jedoch nicht erdrücken, sondern in der ich meine Potentiale entwickeln darf.“ Aber er sagt auch, ganz kategorisch und praxisorientiert: „Wer sich selbst nicht respektiert, braucht sich nicht wundern, wenn er von anderen nicht respektiert wird“. Prof. Frey – Sie bringen das Thema „My way“ sehr schnell in Verbindung mit Selbstachtung. Warum? Zur Selbstachtung gehört es, sich selbst zu mögen, sich selbst zu verzeihen, sich selbst gut Freund zu sein. Sich nicht permanent in Frage zu stellen und nur in Zweifeln denken. Nehme ich mich auch mit meinen Fehlern an? Oder mache ich mich klein? Selbstachtung beinhaltet aber auch einen gesunden Egoismus im Sinne von Haushalten mit den eigenen Kräften. Man darf sich nicht zu sehr verausgaben, TEXT ELKE REICHART FORMS OF RESPECT Social psychologist professor Dieter Frey is head of the Center for Leadership and People Management at Munich's Ludwig-Maximilians University. He has published some 600 books and treatises dealing with motivation, ethics, moral courage, teamwork and creativity. Numerous awards and accolades stress that his research has helped to make the world a more humane place. The catchphrase „ my way“ encapsulates his belief that everyone is responsible for their own actions. InSite: Professor Frey, why do you link the tenet “my way“ with self-respect? Dieter Frey: Self-respect entails liking yourself, giving yourself mitigating circumstances and husbanding your resources so as not to shoulder all the world's problems … Ask yourself: Do I stand up to bullying? Do I draw the line when I'm treated with disrespect, albeit not with aggression sich nicht für alle Themen dieser Welt zuständig fühlen, sondern muss Prioritäten setzen. Außerdem: Wie lasse ich die Außenwelt – Familie und Freunde, Chef und Kollegen – mit mir umgehen? Wie stehe ich dazu, wenn ich kein Mobbing- Opfer sein, sondern Selbstbehauptung zeigen will? Was alles lasse ich mir als Führungskraft gefallen, wo zeige ich Rückgrat? Wenn ich Selbstachtung habe, wehre ich mich, indem ich sofort sage: „So darf man nicht mit mir umgehen!“ Allerdings meine ich damit nicht, dass man sofort auf Konfrontation gehen sollte. Ein sachlicher, konstruktiver, vielleicht sogar humorvoller Umgang miteinander bringt oft mehr. Kann man Selbstachtung lernen? Ideal und eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung ist es natürlich, wenn Eltern schon ihrem Kind zeigen, dass es wertvoll, liebenswürdig und einzigartig ist und auch mit seinen Schwächen angenommen wird. Wenn Eltern hier versagen, können andere Personen (Großeltern, Lehrer, Pfarrer, Nachbarn) diese Funktion übernehmen. Wichtig ist weiterhin ein Wertesystem, das Halt gibt – auf Grundlage der Achtung gegenüber anderen und sich selbst. Jeder ist für seine eigene Selbstachtung zuständig, jeder kann daran arbeiten. Notwendig ist ein positives Bild von sich selbst, damit man andere überhaupt erst wertschätzen kann. Und Zivilcourage, um Stopp-Signale zu senden, wenn FOTOS GETTY IMAGES, PRIVAT die Menschenwürde anderer verletzt wird. Wie Immanuel Kant sagt: Alle Personen haben eine Würde, die unter allen Umständen und jederzeit respektiert werden muss. Das ist der Kern des modernen Humanismus. Kant fordert aber auch: Zeige Respekt gegenüber dir selbst. Das ist nichts anderes als: Bediene dich deines eigenen Verstandes, sei mündig, lass dich nicht unterdrücken von jeglicher Autorität. Keine Ehrfurcht vor Hierarchien, sondern Respekt vor Menschen! Die Realität ist doch aber, dass der Respekt in unserer Gesellschaft immer mehr abnimmt. Sind wir auf den Weg zu einer Gesellschaft mit lauter egoistischen Selbstverwirklichern? Es gibt natürlich den übersteigerten Selbstrespekt, mit dem man sich selbst im Wege steht. Man reagiert sehr empfindlich, egozentrisch, narzisstisch und ist außerstande, nicht optimal laufende Dinge auszuhalten. Übersteigerter Selbstrespekt kann zu respektlosem Verhalten führen, weil der Betroffene im Sinne einer narzisstischen Grundidee und mit der Haltung Me, myself and I glaubt, Anspruch auf permanente Bewunderung zu haben. Aber zu geringer Selbstrespekt bewirkt andererseits, dass man wie gelähmt ist und Dinge mit sich geschehen lässt, weil man sich quasi in sein Schicksal fügt. Ebenso kann ein niedriger Selbstrespekt bewirken, dass man unsensibel dafür ist, wie man sich anderen gegenüber respektvoll verhalten sollte. Man braucht also ein gesundes Gleichgewicht zwischen beiden Extremen. Dazu gehören immer wieder Reflexionen: Was will ich mir eigentlich gefallen lassen? Wo hören bestimmte Dinge auf, weil sie meinen Selbstrespekt verletzen? Die Antworten zu finden ist unbequem, aber es geht nicht ohne diese Selbstbefragung, wenn man sich am Abend hocherhobenen Hauptes im Spiegel in die Augen schauen will. Man sollte allerdings nicht aus jeder Kleinigkeit eine Prinzipienfrage machen – oft ist es klüger, Diskussionen oder Situationen nicht überzubewerten und nicht aus falschem Selbststolz zu reagieren. Was bedeutet das alles für „My way“, den viele Menschen suchen und nur schwer finden? My way bedeutet zunächst die Analyse: Was kann ich gestalten, was will ich bewegen, mit welchen Begrenzungen muss ich zurechtkommen, verbunden mit der Reflexion: Was ist für mich ein gelingendes Leben? Damit sind die Leitplanken, innerhalb derer man sich bewegt, abgesteckt. My way heißt: Ich gestalte Dinge und ergreife Chancen und Gelegenheiten, die sich ergeben. Ich warte nicht, bis mich jemand sieht, sondern ich bereite mich vor und werde dann aktiv. Natürlich hilft My way, sich durchzusetzen, wenn man außergewöhnliche Dinge besitzt: Alleinkennzeichen (was zeichnet but pragmatically and humorously. InSite: Can one learn self-respect? DF: It's paramount that parents show their children at an early age that they're valuable, loveable and unique. Grandparents or teachers can do so too. Also needed is a set of values which stops a child infringing on the respect due to others. As Immanuel Kant put it, every human being is entitled to their dignity. Respect yourself. Know your own worth and do not kowtow to hierarchies or authorities. InSite: Respect seems to be dwindling in our society. Are we turning into selfish egotists? DF: Too much self-respect can lead to a narcissistic approach which hobbles one when things get difficult, and to disrespectful behaviour towards others because “me, myself and I“ feed on ceaseless admiration. But with too little self-respect we stop respecting others. Best is a healthy balance between the two extremes. InSite: How does all that square with “my way“ – which so many of us find difficult to discover? DF: “My way“ implies: what do I want to achieve, what limitations must I accept, and what do I see as a successful life?Those are the parameters between which “my way“ can be plotted. “My way“ means seizing opportunities, not waiting to be noticed and being prepared to make the first move. “My way“ helps us to stand out with our very own distinguishing features such as a sense of humour, innate cheerfulness, joie de vivre and charm, coupled with the ability to live one's life purposefully. “My way“ also has a lot to do with forgiveness. What the Dalai Lama calls mercifulness. That dovetails with a healthy approach to defeats and failures, which can be turned into opportunities. And “my way“ in intimate relationships? When do I make concessions? How do I deal with hurtfulness? Aim for a reality that leaves enough room for the dreamworld. Prof. Dr. Dieter Frey, Ludwig-Maximilians- Universität München mich aus?), sich unentbehrlich machen, mit einer Art von Humor, Grundfröhlichkeit, Lebensfreude und Charme, gleichzeitig aber auch mit Kompetenz durch die Welt zu gehen. My way hat aber auch viel mit Vergebung zu tun: Also sich gut zu kennen und nicht zu sehr mit sich zu hadern, wenn Dinge nicht so laufen wie erhofft. Der Dalai Lama spricht von Barmherzigkeit. Dazu gehört auch der gesunde Umgang mit Niederlagen und Misserfolgen, die Ausgangspunkte für Weiterentwicklungen sein können – Krisen als Chance! My way in Paarbeziehungen: Was ist mein Beitrag zu einer gelingenden Beziehung? Wo muss ich Zugeständnisse machen? Wie gehe ich mit Verletzungen um? Beides sollte im Miteinanderleben möglich sein: der realistische Optimismus und die Erlaubnis zum Träumen. Good to Know Gibt es Strategien zur Steigerung des Selbstrespekts? Natürlich! • Durch Anerkennung von anderen in einem wertschätzenden Umfeld, das aber auch nicht vor freundlich-kritischem Feedback zurückschreckt. Und durch das Gewinnen von Menschen, die mich unterstützen. • Durch außergewöhnliche Leistungen in der Arbeit, die idealerweise erfüllend, selbstbestimmt und sinnerfüllt sein sollte. • Durch sich selbst klar werden: Wer bin ich, was kann ich, was will ich, was muss ich? Was sind meine Stärken / Schwächen? Was sind meine Grenzen? • Durch ständige Arbeit an sich selbst: das eigene Potenzial entdecken, gleichzeitig aber auch die Chancen ergreifen, dieses Potenzial zu verwirklichen. • Durch Work-life-balance: Prioritäten setzen, Ressourcen aktivieren, nachhaltig denken, Zeit für sich haben, genügend Schlaf, gesunde Ernährung und Reflexion, Bewegung und Sport, Freunde und Freizeit als Tankstellen. How to increase your self-respect: Don't shy away from criticism. Associate with supportive people. Aim for prime performance through fulfilling work. Recognise your strengths and weaknesses. Discover your potential and enhance it. Prioritise a work-life balance with enough time for sustainable thinking, sufficient sleep, healthy food, exercise and good friends. 52 INSITE 2020 2020 INSITE 53

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