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INSITE 2020

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Das Magazin des Hotels Bayerischer Hof 2020.

POINT OF VIEW Es lacht

POINT OF VIEW Es lacht einer über eine Sache nur, wenn er von ihr gelöst ist U nd lasst hundert Schulen miteinander wetteifern“. Es lebe die Vielfalt, das freie Denken, das faire Wetteifern um die besten Ideen! Ahnen Sie, von wem dieser florale Satz stammt? Er stammt ausgerechnet von einem der gefürchtetsten Diktatoren der Menschheitsgeschichte, dessen Schreckensregime viele, viele Menschen zum Opfer gefallen sind: Mao Zedong. Der Vorsitzende der Volksrepublik China hatte 1956 in seiner Rede vor den Parteikadern zu einem kreativen Kräftemessen um die besten Ideen für den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kurs aufgerufen. Offene Kritik an Missständen war explizit erwünscht. Als diese dann auch kam, und zwar harsch und unmissverständlich, vollzog Mao Zedong eine krasse Kehrtwende: Die Wortführer des Andersdenkens wurden kurzer Hand in Arbeitslager geschickt. Wie meilenweit der Große Vorsitzende von seinem Volk entfernt war! Er hatte sich eine parteikonforme Ideensammlung für den künftigen Kurs in den Kommunismus gewünscht. Wieso erwähne ich diesen kurzen Lichtblick in den Zeiten des dunkelsten Staatsterrorismus heute, in Zeiten umfassender Meinungsfreiheit? Weil ich die sensible Frage stellen möchte: Wie ernst ist es uns, in dieser offenen, freiheitlichen Gesellschaft, mit dem Blühen lassen? Wie ernst ist es uns mit fairem Wetteifern verschiedenster Denkansätze und Meinungen? Heißt: Wie tief leben wir Toleranz – oder, um mit einer anderen Sozialistin zu sprechen, nämlich Rosa Luxemburg: Wie sehr kämpfen wir für die Freiheit – als Freiheit der Andersdenkenden? Entertainer Harald Schmidt hat letztens ein aufschlussreiches Interview gegeben: Heute wäre seine Late-Night-Show in der ARD (die er 2005 bis 2007 moderierte) umgehend abgeschossen worden. „Ich würde mir heute sehr genau überlegen, was ich auf einer Bühne mache. Man muss nämlich damit rechnen, dass alles über ein soziales Netzwerk gleich raus geht, verkürzt, falsch mitgeteilt und auch falsch kommentiert wird. Und dann steckt man in einem Strudel, auf den ich keine Lust habe. Mit den heutigen Maßstäben, auch der Political Correctness, der Sprachpolizei und des linksliberalen Mainstreams, hätte ich meine Show nach einer Woche abgenommen bekommen.“ LASST HUNDERT BLUMEN BLÜHEN Starker Tobak. Letztlich geht es ihm um eine weitreichende Tabuisierung bis hin zu verdeckten Denkverboten. Von den Segnungen der Windräder bis zur Willkommenskultur, von Gentechnik oder Dieseltechnologie, von Umweltschutz und Meinungsfreiheit: Wie frei diskutieren wir tatsächlich öffentlich? Wer riskiert schon einen Shitstorm, Windstärke 12? Erinnern Sie sich noch an das Interview, das Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner und der Nestlé-Deutschlandchef Marc-Aurel Boersch gaben – über die Segnungen zuckerreduzierter Lebensmittel? Ein öffentlicher Shitstorm wegen unerlaubter Werbung für einen Großkonzern brach los. Dass die Medienanstalt nach eingehender Prüfung keinerlei Verfehlung feststellen konnte – darüber erfuhren wir nichts. Worauf will ich hinaus? Lasst uns Blühhelfer werden! Lasst uns bewusst dafür sorgen, dass hundert Blumen blühen dürfen, dass hundert Ideen miteinander wetteifern – wie wir leben wollen, wie wir die Umwelt schützen, ja, ganz groß gedacht: Wie wir die Welt verbessern! Niemand lasse sich den Mund verbieten, jeder gehe so weit, wie er öffentlich gehen mag – für eine Meinung einstehen, und damit auch für die Freiheit. Besonders für die der Andersdenkenden. Wehret den Anfängen … der Ideologisierung aller Lebensbereiche. NINA RUGE Moderatorin, Autorin und Unicef- Botschafterin weiß, dass alles gut wird IDEAS GALORE “Long live the freedom of thought, fair competition and the best ideas!“ Flowery words – guess who said them? None other than one of humankind's most bloodthirsty dictators: Mao Zedong, the chairman of the People's Republic of China in 1956 in a speech to party cadres, encouraging them to compete against each other with innovative ideas to further progress. Frank criticism of any shortfalls was explicitly welcomed. But when the former was expressed, Mao performed a brutal U-turn. Dissidents were dispatched to work camps in their thousands … Mao had only wanted to usher in communism. A gulf separated him from the populace. I mention this brief glimmer of light during one of the darkest periods of state terrorism because I wonder how our own liberal society copes with a plethora of opinion? In other words, to quote socialist Rosa Luxemburg, are we tolerant enough to defend people with views that differ from our own? Recently actor and entertainer Harald Schmidt, who presented a TV talk show for two years between 2005 and 2007, gave a revealing interview. The gist: “Nowadays I steer clear of the social networks who misquote you and suck you into the political correctness controlled by the speech police and the leftist mainstream.“ Harsh words, but how free are we really to discuss the blessing of wind turbines or genetic engineering? Who wants to risk a gale-force shitstorm? Agriculture secretary Julia Klöckner was hit by one such after mentioning the Nestlé concern in an interview. Later watchdog bodies ruled that this had not been covert advertising. So let's not do a Mao. We should exchange hundreds of ideas on how to best lead our lives. Letting ideas galore blossom can only improve our lot. FOTO FRANK WARTENBERG OPER, BALLETT, KONZERT UND LIED BAYERISCHE STAATSOPER 21.6. – 31.7.2020 MÜNCHNER OPERN­ FESTSPIELE FESTSPIEL- WERKSTATT 22.6.-28.7.20 Zeit genössisches Musiktheater OPER FÜR ALLE 24 INSITE 2020 Tickets / Infos www.staatsoper.de T +49.(0)89.21 85 19 20 BMW München

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