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INSITE 2020

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Das Magazin des Hotels Bayerischer Hof 2020.

V on seiner Hotelsuite

V on seiner Hotelsuite zum Palais Montgelas sind es nur wenige Schritte. Ralph Fiennes, 58, kommt auch deshalb sehr entspannt und leger – dunkelgraues T-Shirt und Bluejeans – zum Interview. Mit im Gepäck hat er sein neuestes Werk Nurejew – The White Crow, das im Herbst in die deutschen Kinos kam. Auf den CineMerit Award angesprochen, lächelt er versonnen und sagt: „Preise sind wie Applaus. Und jeder Schauspieler liebt doch den Applaus.“ Mr. Fiennes, wie fühlen Sie sich hier in München? Sehr gut. Wie könnte es auch anders sein? Ich wurde hier sehr herzlich aufgenommen, bekam eine Auszeichnung und konnte meinen neuen Film Nurejew – The White Crow vor einem großen Publikum zeigen. Und ich residiere hier in dem Luxushotel mitten in München. Da bleibt kaum ein Wunsch offen. Sie sind ja sicher viel unterwegs. Bei Dreharbeiten oder zu Filmpremieren. Wie wichtig ist Ihnen da eine gute Unterkunft? Wenn ich auf Reisen bin, ist mir ein Rückzugsort sehr wichtig. An dem ich mich entspannen und auf meine Arbeit vorbereiten kann. Da schätze ich eine so ruhige und angenehme Atmosphäre, wie ich sie hier im Hotel Bayerischer Hof erlebe, wirklich sehr. Bei „Nurejew – The White Crow“, einem Film über den berühmten russischen Balletttänzer Rudolf Nurejew, haben Sie Regie geführt und auch eine Nebenrolle übernommen … … was eigentlich so gar nicht geplant war. Ursprünglich wollte ich nur Regie führen. Denn der Film ist eine echte Herzensangelegenheit für mich. Mir hat die Leidenschaft und der Kampfgeist dieses jungen Tänzers imponiert. So ging er seinen Weg – trotz vieler Hindernisse. Der filmische Höhepunkt findet dann auch folgerichtig auf dem Flughafen von Le Bourget statt, wo Nurejew sich seinen russischen Bewachern auf sehr dramatische Art und Weise entzogen hat. Denn die wollten ihn nach einem Gastspiel in Paris wieder mit Gewalt in die Sowjetunion zurückholen. Und nur weil er in Frankreich um Asyl bat, gelang ihm schließlich der Absprung in den Westen. Das ist für mich der wirkliche Kern des Films. Jedenfalls wollte ich kein Biopic über Rudolf Nurejew machen. Das hätte mich überhaupt nicht interessiert. Warum haben Sie dann doch die Rolle des Tanzlehrers Puschkin selbst übernommen? Weil man mich dazu überredet hat. Eigentlich wollte ich, dass ein russischer Schauspieler Puschkin spielt. Aber es war sehr, sehr schwer, den Film finanziert zu THE ENGLISH GUEST He is one of his generation's most versatile actors, with acclaimed stage performances as Hamlet and Coriolanus and star roles in films such “Schindler's List“ and “The English Patient“. In Munich to collect the CineMerit Award, he was naturally a guest of the Hotel Bayerischer Hof. It is only a few steps from his hotel suite in the Palais Montgelas to the interview. He strolls over dressed casually in a dark grey t-shirt and bluejeans. He has his latest offering, “Nurejev – The White Crow“, showing from autumn on in German cinemas, to promote. Mention of the CineMerit Award prompts a smile: “awards are like applause.“ InSite: Mr. Fiennes, how do you feel here in Munich? Ralph Fiennes: Just great. I've been made to feel very welcome, have received an award, promoted my film and am staying at a grand hotel in the heart of Munich. InSite: Your profession keeps you on the move a lot. How important is suitable accommodation en route? RF: Paramount is the peace and quiet that the Hotel Bayerischer Hof affords me. InSite: You directed “Nurejev - The White Crow“, a film about the famous Russian ballet dancer Rudolf Nurejev, and also had a small part … RF: …which wasn't really intended. Originally I was just going to direct the film. But a Russian producer said there'd be more funds for the film if I played dance director Pushkin myself. That makes me smile because not a single rubel has since materialised. InSite: You gave the role of Nurejev to a relatively unknown Russian ballet dancer. RF: Yes, but I was very happy indeed to eventually find Oleg Ivenko. He's a world-class dancer and he also has the wild, hot-blooded charm that made Nurejev so attractive. InSite: Were you captivated by Nurejev's difficult and complicated character because your own is similar? bekommen. Daher erhielt ich von einer russischen Produzentin das Angebot, man werde viel Geld in den Film investieren, wenn ich selbst mitspielte – weil man sich sicher sei, der Film werde sich dann besser verkaufen. Also habe ich die Rolle übernommen. Leider habe ich bis heute noch keinen einzigen Rubel gesehen (lacht). Sie haben die Rolle des Nurejew mit einem relativ unbekannten Balletttänzer besetzt. Ja, und ich war sehr froh, als ich Oleg Ivenko endlich gefunden hatte. Er tanzt nicht nur virtuos auf Weltklasse-Niveau, sondern bringt auch genau diesen wilden, heißblütigen Charme mit, der Rudolf Nurejew so attraktiv machte. Ihnen hat sehr gefallen, dass Rudolf Nurejew schwierig war und kompliziert – weil Sie es auch selbst sind? Das weiß ich nicht. Ich habe eine sehr traditionelle englische Erziehung genossen. Schon deshalb kann ich gar nicht dermaßen impulsiv und schroff sein. Aber ich bin fasziniert von Nurejews Unverdorbenheit. Er hatte keine Spur von bourgeoiser Zurückhaltung. Wenn er etwas fühlte, dann sagte er es einem gleich unverblümt ins Gesicht. Wenn er jemanden nicht mochte, rief er „Hau ab!“ Und als er im Louvre Das Floß der Medusa von Théodore Géricault sehen wollte, ist er dort hineingestürmt und brüllte: „Geh’ mir aus dem Weg. Und halt’ die Klappe!“ Das zeige ich auch im Film. Aber Nurejew war ja nicht nur arrogant – er hatte vor allem eine echte Leidenschaft für die Kunst. Für ihn zählte letztlich nur das Tanzen! Es ist leicht, sich über die schlechten Manieren zu echauffieren – und dabei den Schweiß, das Blut, all die Anstrengungen auszublenden, die er täglich stundenlang in seine Tanzübungen steckte. Sind Sie nicht auch wie er eine „Weiße Krähe“ – also jemand, der nirgendwo wirklich hineinpasst? Ein bisschen. Ich fühlte mich vor allem als junger Mann sehr oft als nicht dazugehörig, als Außenseiter. Mir fiel es nie sehr leicht, mich in einer sogenannten Männergruppe zu bewegen. Also ins Pub zu gehen, um Bier zu trinken oder ins Stadion für ein Fußballspiel oder auf Parties. Nicht, dass ich etwas dagegen gehabt hätte. Aber ich fühlte mich in der Gruppe einfach nicht wohl. Viel lieber habe ich meine Zeit allein verbracht. Ich war sehr glücklich damit ein Buch zu lesen, spazieren zu gehen oder Musik zu hören. Stimmt es, dass Sie ein großes Faible für Russland haben? Meine Liebe zu Russland wurde vor allem durch die russische Literatur entfacht. Vor allem haben mich die Romane von Dostojewski sehr beeindruckt. FOTOS PR Wie er all diese essentiellen Themen wie Moral, Glaube, Liebe, Hoffnung, Schuld, Sühne, Leben, Tod behandelt hat – das geht mir immer noch sehr unter die Haut. Und auch die Werke von Puschkin, Turgenjew und Tschechow finde ich großartig. Sie sind auch ein großer Shakespeare-Experte. Können Sie sich eine Welt ohne Shakespeare vorstellen? (Lächelt) Ich kann sie mir wohl vorstellen, aber ob ich in so einer Welt leben wollen würde – das ist ein andere Frage. Dies würde mich auf jeden Fall sehr traurig machen. Ich stand in vielen Shakespeare- Stücken auf der Bühne. Das ist für mich so etwas wie mein Lebenselixier. Sie sind mit Leib und Seele Schauspieler … Ja, auf jeden Fall. Das ist wirklich das Einzige, was für mich zählt. Und doch sind Sie manchmal auch ein Filmstar, der zahlreiche Preise bekommt. Oder für den Oscar nominiert wird … Das ist, wie gesagt, die Anerkennung für meine Arbeit als Schauspieler. Es gibt mir aber wirklich überhaupt nichts, als Star angehimmelt zu werden. Oder der neueste Herzensbrecher auf Seite 1 in der Klatschpresse zu sein. Das sind doch alles Ablenkungen und Versuchungen, die in die falsche Richtung führen. Auch deshalb war der Film Der englische RF: I'm not so sure. I had a traditional English education. For that reason alone I can't be that impulsive and churlish. But I'm fascinated by Nurejew's unadulterated approach to life. He showed no trace of bourgeois conditioning. If he disliked someone he'd say so to their face, He wasn't really arrogant. His dancing meant everything to him. One forgets the blood, sweat and tears that went into his daily training routine. InSite: Aren't you yourself a “white crow“ of sorts – someone who doesn't really fit in anywhere? RF: To a degree. As a young man I felt like an outsider. Being in a pack of fellow young males at the pub or on the soccer terraces was never my thing. InSite: It's said you have a penchant for all things Russian? RF: My love for Russia was triggered by its literature. I still find the way he tackles human essentials such as morality, beliefs, love, hope, guilt, atonement and life greatly moving. InSite: You're also a Shakespeare expert – Patient so gefährlich für mich: Plötzlich stand ich auf der Wunschliste vieler Hollywood-Produzenten ganz weit oben. Fast jeder wollte mich haben. Nur ich wollte nicht. Mein Instinkt sagte mir damals, dass ich mich auf keinen Fall in diese Maschinerie begeben durfte. Da werden die meisten doch nur geschluckt, durchgekaut und ausgespuckt. Mit anderen Worten: Zu viel Geld – zu wenig Kunst? So kann man es auch sagen. Ich bin sicher nicht Anti-Hollywood oder Anti-Mainstream – was man mir gelegentlich vorwirft. Darum geht es nicht. Meine Prioritäten sind klar definiert: An erster Stelle steht der künstlerische Aspekt, die Herausforderung als Schauspieler, als Regisseur. Karrierepläne, zum Beispiel, sind mir absolut fremd. Verführer oder Verführter: Welche Rolle liegt Ihnen persönlich mehr? In „Nurejew – The White Crow“ bereitet Ralph Fiennes als russischer Ballett-Lehrer Alexander Puschkin seine Eleven auf den großen Bühnenauftritt vor Ich glaube, ich bin eher der, der verführt wird. Wenn ich mich daran erinnere, wie ich als Teenager die ersten Erfahrungen mit Mädchen gemacht habe – da musste man mich schon an beiden Armen auf die Tanzfläche zerren. Auch zum Flirten habe ich mich nicht richtig geeignet. Viel lieber habe ich mich schon damals hinter Shakespeare-Zitaten versteckt oder Beatles-Songtexte zitiert. Auf dem Schulhof stand ich immer etwas abseits und habe mich erst Richtung Mädchen bewegt, wenn ich wirklich starke 20 INSITE 2020 2020 INSITE 21

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