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Hotel Bayerischer Hof Magazin 2019.

harles S chumann

harles S chumann INTERVIEW ANDREAS M. JUCHELKA FOTO ZWIESEL KRISTALLGLAS C Charles harles Schumann kam 1941 als Bauernsohn Karl Georg Schuhmann zur Welt. Die Rolle des Erbprinzen sah er nicht für sich, ging zum Bundesgrenzschutz, quittierte dort einige Jahre später und zog nach Italien, wo er seine Leidenschaft für die Gastronomie entdeckte. Später, in Frankreich, verbrachte er die Tage als Gasthörer an Universitäten, seine Nächte als Leiter eines Night-Clubs. Zurück in München holte er mit 31 Jahren das Abitur nach, studierte Politik und Publizistik. Doch seine wahre Leidenschaft setzt sich durch, 1982 eröffnete er das Schumann’s, welches schnell zum Treffpunkt von Künstlern und Prominenten avanciert. 2001 folgte noch die Schumann’s Tagesbar, kurz danach die heutige Bar am Odeonsplatz. Herr Schumann, lassen Sie uns über die Kunst des einfachen Lebens und die hohe Schule des Genusses sprechen … … ach, hören Sie bloß auf. Das will ja ein jeder, gut leben, perfekt genießen. Aber wie Sie schon sagten, das ist eine Kunst, und diese kommt bekanntlich von Können, und eben das können nur wirklich wenige. Leider (lacht). Gut, das wäre also geklärt – sprechen wir jetzt über den in der Literatur besungenen Mythos „Bar“. Unsere Bar hat sich so lange gehalten, nicht (nur) weil wir ein Mythos sind. Alles ganz real: Ich gehe jeden Tag hierher, mache meine Arbeit ordentlich und freue mich, was ja die Grundvorraussetzung ist – obwohl wir es damals leichter gehabt haben als heute. Sie haben den Beruf des Barkeepers in Deutschland zu dem gemacht, was er heute ist. Kann man so nicht sagen. Wir waren die ersten, die ihn populär gemacht haben, ja. Mittlerweile ist es aber so, dass Bars ganz anders funktionieren als damals. Wir hatten halt gedacht, die echte Bar gibt es nur in der Literatur und die machen wir jetzt nach. Und das sehr erfolgreich. Ja, natürlich. Obwohl, die SZ hat mal geschrieben, er liebt alle Leute, die mit dem Kopf arbeiten, und da gehören bekantlich auch die Fußballspieler dazu (lacht laut). Was ich damit sagen will: Wir wurden CHARLES SCHUMANN Schumann was born in 1941 as Karl Georg Schuhmann, the son of a farmer. Spurning the role of crown prince, he joined the German border police force. Several years later he moved to Italy where he discovered his gastronomic leanings. Later on, in France, his days were spent as guest student at various universities and his nights as manager of night clubs. Back in Munich, at the age of 31, he passed his university-entrance exams to study political science and journalism. But following his true bent, in 1982 he opened Schumann’s Bar, followed in 2001 by Schumann’s Tagesbar, and shortly afterwards today’s bar on the Odeonsplatz. InSite: Mr. Schumannn, let’s talk about the art of simple living and the advanced study of unadulterated enjoyment … CS: come off it, all you need for either is native savvy, but not many of us have that (laughs). InSite: OK, having settled that, let’s discuss literature’s mythical venue, “the bar”. CS: Our long-standing success is not just based on a myth but the fact that every day I look forward to my work. InSite: It’s thanks to you that the image of barkeepers has soared in Germany. CS: Agreed, we were the first to help promote the profession’s popularity. But bars function differently nowadays. We thought genuine bars only existed in literature and tried to enact that. InSite: And did so with great success. CS: Of course, but a local paper once sniped „he likes people who use their brain to work, and that includes footballers (laughs loudly). The feedback we got wasn’t always positive. The dimensions here would have got out of hand by now without my tried and tested team. InSite: Your bar has been called a “modern salon”. CS: We were unique in pioneering the sort of bar portrayed in literature, but only the writers, journalists and artists seemed to twig. I didn’t just want a gatronomic outlet but to feel at home in my bar. InSite: Is that still the case? CS: Not always. We’ve become too big. A INTERVIEW auch sehr viel angegriffen, stark und oft kritisiert. Es stimmt also nicht, dass wir vom ersten Tag an ein positives Feedback hatten – wir waren aber auch überfordert. Denn die Bar hat schnell Dimensionen angenommen, denen waren wir gar nicht mehr gewachsen. Und hier ist es im Grunde genommen noch schlimmer. Gottseidank haben wir ein langjähriges Team, sonst würde das alles gar nicht gehen. Maxim Biller hat ihre Bar einmal als „Modernen Salon“ bezeichnet. Das stimmt alles gar nicht mehr, denn dazu sind wir heute viel zu groß. Damals ja. Noch heute ist zu lesen, dass sich bei Ihnen die sogenannte Intelligenzija traf. Wir haben uns schon so gesehen, ich besonders. Damals war es ja so, dass es wirklich keine Bars gegeben hat, so wie wir sie uns vorgestellt haben. Wir waren also eine Art Vorreiter und die einzigen, die wirklich verstanden hatten, was ich wollte, waren halt die Schriftsteller, die Journalisten und die Künstler. Unser Bild von einer Bar entstammte der Literatur, ja, und genauso wollten wir es machen. Warum dieses Ideal? Ich wollte nicht nur einen erfolgreichen gastronomischen Betrieb haben, sondern ich wollte mich in meiner eigenen Bar auch zu Hause fühlen, wollte mich wohlfühlen. Ist das heute auch noch so? Das ist hier nicht immer gegeben, weil wir zu groß sind. In erster Linie ist eine gute Bar wie ein Zuhause, dass ich aber jederzeit wieder verlassen kann. „Man sagt ja: Die Legende lebt – noch! Quatsch …“ Sie haben mit ihren Büchern, den Texten und den Zeichnungen ja dann dieser Idee auch ein Gesicht gegeben. Günher Mattei, der alles Grafische für uns gemacht hat, war damals in der Tat ein kongenialer Partner, wir haben beide sehr voneinander profitiert. Heute sehe ich das Thema Bar aber anders, heute ist eine Bar nicht nur für die da, die mit dem Kopf arbeiten. Mittlerweile nennt sich fast jeder Zweite Bar und Bartender sind die großen Stars, werden teil weise gehandelt wie Götter. Ob das gut geht? Man wird sehen. INSITE 2019 39

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