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Hotel Bayerischer Hof Magazin 2019.

INTERVIEW INTERVIEW Die

INTERVIEW INTERVIEW Die britische Schauspielerin erhielt 2018 den CineMerit Award des Münchner Filmfestes Die britische Schauspielerin ist ein Star zum Anfassen. Star-Allüren sucht man bei ihr vergebens. So war es auch keine große Überraschung, dass sie auf der Preisverleihung ihre High Heels kurzerhand in die Ecke kickte und den CineMerit-Award barfuß entgegen nahm; und auch noch einen mitreißenden Song zum Besten gab. Als wir Emma Thompson in ihrer Suite des Hotels Bayerischer Hof zum Interview treffen, hat sie die Schuhe wieder an. Sie trägt eine dunkelblaue Seidenbluse und eine schwarze Stella McCartney Hose. Doch das Augenfälligste an ihr ist die flotte, weißblonde Kurzhaarfrisur, die ihren jugendlichen Elan noch unterstreicht. Gut gelaunt und vor Energie sprühend, verrät uns die 59-Jährige, wie sie sich ihre Lebenslust erhält – und noch einiges mehr. Mrs. Thompson, Sie haben einen Preis für Ihr Lebenswerk bekommen. Ist das nicht etwas zu früh? (Lacht) Ich habe mich sehr darüber gefreut und war kein bisschen geschockt, sollten Sie das vermutet haben. Der Preis war für mich ein willkommener Anlass, mein Leben noch einmal Revue passieren zu lassen und darüber nachzudenken. Das kann man mit Ende 50 noch ziemlich entspannt tun, oder? Denn da hat der dritte Akt ja gerade erst begonnen. Ich habe jedenfalls noch viel vor. Und ich bin immer noch wahnsinnig neugierig auf das Leben und versuche aus jedem Tag das Beste herauszuholen. STONE’S VISION The Munich Filmfestival in the summer of 2018 brought Emma Thompson yet another accolade, the CineMerit Award – after the previous double of an Oscar as actress and script writer. We meet her in one of the Hotel Bayerischer Hof’s suites where she stayed during the festivities. She is wearing a dark blue silk blouse and black Stella McCartney trousers. The 59-year-old’s ebullient and youthful appearance is accentuated by the short-length cut of her whitish blonde hair. InSite: You received a lifetime award. Isn’t that a bit early? ET: (laughs) I was thrilled but also slightly shocked. But it made me review my life. In a relaxed way. At 59 the third act has only just begun. I still have plenty of plans. I lead an active life, opening myself to people and ideas and never having any qualms about being labelled as unconventional. InSite: What made you accept the main role in “The Children Act”? ET: The film has a timeless theme: how to tackle responsibility? I play a judge who has to rule whether a 17-year-old boy is given a blood transfusion by court order and against the religious will of his parents who are Jehova Witnesses. A matter of life and death, admirably described by author Ian McEwan in the story on which the film is based. I was fascinated by the way a woman uses her power with such a finely tuned sense of responsibility and in fact wisdom. InSite: Some years ago you adopted 16-year-old Tindyebwa Agaba, a refugee from the war in Ruanda. Doing so must have involved a sense of responsibility too? ET: Indeed. My husband (ed.: British actor Greg Wise) and I took a long time deliberating whether we were capable of shouldering the responsibility for a young life. Tindy came into our lives step by step. He had been flown out of the mayhem in Ruanda and I first got to know him at one of the Refugee Council events. We made friends and Und wie machen Sie das? Mein Rezept für ein erfülltes Leben ist, dass man es aktiv gestaltet. Sich Menschen öffnet, neue Ideen zulässt und auch den Mut hat, unkonventionelle Dinge zu wagen. Das inspiriert mich nicht nur im Alltag, sondern auch bei meiner Arbeit. Was hat Sie dazu bewogen, bei dem Film „Kindeswohl“ die Hauptrolle zu übernehmen? Es ist ein Drama über die oft schwere Last, Verantwortung zu übernehmen. Wie kann ich Verantwortung übernehmen? Für mich, meinen Mann oder meine Familie? Und wie bei Kindeswohl für einen komplett Fremden? Ich spiele eine Familienrichterin, die über Leben und Tod eines 17-jährigen Jungen entscheiden muss. Er ist an Leukämie erkrankt und braucht dringend eine Bluttransfusion. Seine Eltern sind Zeugen Jehovas und lehnen die Blutspende aus religiösen Gründen ab. Ich muss nun entscheiden, ob er trotzdem, per Gerichtsbeschluss, eine Transfusion bekommt, die ihm das Leben rettet, oder nicht. Dieses Dilemma, das Richtige zu tun, hat Autor Ian McEwan sehr eindrucksvoll in seiner Geschichte veranschaulicht. Diese sehr mächtige Richterin zu spielen hat mich also sehr gereizt. Denn sie ist ja eine Frau, die ihre Macht nicht etwa missbraucht, sondern sich sehr viele Gedanken macht und dabei sehr sensibel, sehr verantwortungsbewusst, ja sogar weise handelt. Sie haben vor Jahren Tindyebwa Agaba adoptiert, einen 16-jährigen Kriegsflüchtling aus Ruanda. Da haben Sie sich sicher auch die Frage nach der Verantwortung gestellt … … oh ja. Mein Mann (der britische Schauspieler Greg Wise, A. d. Red.) und ich haben es uns die Adoption ganz und gar nicht leicht gemacht. Wir haben uns immer wieder geprüft, ob wir auch wirklich bereit – und fähig – sind, die Verantwortung für ein fremdes Leben zu übernehmen. Aber Tindy ist ja nicht plötzlich, sondern Schritt für Schritt in unsere Leben gekommen. Er ist mit 16 aus den Kriegswirren Ruandas nach London ausgeflogen worden. Ich bin ihm zum ersten Mal bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung des Refugee Council begegnet. Danach haben wir uns angefreundet und er wurde langsam ein Teil unserer Familie. Irgendwann haben wir dann seine Familienmitgliedschaft vor Gericht legalisieren lassen und um sein Bleiberecht gekämpft. Denn eine Deportation nach Ruanda wäre für ihn lebensgefährlich gewesen. Ich bin sehr froh, dass es uns gelungen ist, ihn hier zu behalten. Das war die absolut richtige Entscheidung. Mittlerweile hat er seinen Universitätsabschluss gemacht. Wie hat Ihre Tochter Gaia eigentlich auf ihren neuen Bruder reagiert? FOTOS AGENTUR SABINE BRAUER, GETTYIMAGES Sehr gut. Gaia war damals ja noch sehr klein, aber sie hat ihn sofort sehr herzlich angenommen. Jetzt ist sie auch schon 18 Jahre alt. Wir verstehen uns alle bestens. Wir sind eine sehr lebhafte Familie. Bei uns wird sehr viel diskutiert. Da fliegen auch schon mal die Fetzen. Aber das Wichtigste ist, dass man immer miteinander redet und sich dem anderen wirklich mitteilen will. Wenn man auf Augenhöhe miteinander kommuniziert, dann halten auch Beziehungen lange. Und man muss im Leben Veränderungen akzeptieren, oder? Auf jeden Fall. Man muss auch die unabdingbare Bereitschaft haben, sich selbst zu ändern. Ich kann Ihnen da ein gutes Beispiel geben: Ich habe lange Zeit für andere – vor allem für Familienmitglieder und Freunde – viel zu viel und viel zu oft Verantwortung übernommen. So nach dem Motto: „Ja, ja, ich regle das, ich mache das für euch.“ Ich wollte damit zwar helfen, aber was ich wirklich gemacht habe, war bevormunden. Und das kann manchmal sehr arrogant wirken. Also habe ich mir das abgewöhnt. Es hat zwar einige Zeit gedauert, bis ich loslassen konnte, doch es war sicher gut so. Sie wurden vor kurzem von der Queen zur „Dame“ des „Order of the British Empire“ erhoben. Wie fühlt sich das denn an? Für eine ehemalige Rebellin gegen das Establishment? slowly he became part of our family. We fought for his right to stay in the country and had his status in our family legalised. We made absolutely the right decision. He’s since graduated from university. InSite: How did your daughter Gaia react to her new brother? ET: Very well. She got on well with Tindy from the word go. We’re a very lively family. We enjoy verbal cut and thrust but as equals with mutual respect for differing points of view. InSite: And taking changes into one’s stride …? ET: … is paramount. And changes to your own lifestyle too. A good example: for much too long I felt responsible for others, in particular friends and family. I thought that was being supportive but in fact it was me imposing my will on them. That comes across as arrogant. Eventually I managed to get rid of the habit. InSite: The Queen recently conferred the Order of the British Empire on you. How does that feel for a former anti-establishment rebel? (Lacht) Ganz fantastisch! Es hat mein Leben absolut verändert. Meine Familie verneigt sich jetzt vor mir, wenn ich den Raum betrete. Und zu meinem Ehemann sage ich: „Du musst dich nicht ganz so tief verneigen, ein kleines Kopfnicken genügt.“ Endlich genieße ich zuhause den Respekt, den ich verdiene. Ich habe auch einen großen Thron am Esstisch, von dem aus ich auf alle in meiner Familie herunterschauen kann. „Das ganze System muss verändert werden …“ Und jetzt bitte im Ernst. Ehrlich gesagt hat mir das anfangs schon ein paar Magenschmerzen verursacht. Denn ich habe – als überzeugte Linke – das britische Establishment tatsächlich mehr als einmal sehr harsch kritisiert. Dann dachte ich aber, ich habe doch immer dafür gekämpft, dass Frauen in der Öffentlichkeit mehr Anerkennung bekommen. Also habe ich mich entschieden, die Auszeichnung anzunehmen. Meine politischen Überzeugungen werden dadurch aber nicht berührt. Das verspreche ich Ihnen. Denn Stets gut gelaunt und voller Energie versprüht Emma Thompson Lebenslust pur 14 INSITE 2019

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