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HEALTH BRUNO REICHART

HEALTH BRUNO REICHART Ein Leben gewidmet der Medizin, Bruno Reichart rettete unzählige Leben mit seiner Kunst der Herztransplantation, in München und am Groote Schuur Hospital in Kapstadt. Über seine Zeit dort hat Ehefrau Elke Tagebuch geführt und jetzt in einem Buch veröffentlicht, erschienen bei S. Fischer 1967 führte ein südafrikanisches Transplantationsteam unter der Leitung von Christiaan Barnard die weltweit erste Herztransplantation durch Als Chirurg hat er Medizin-Geschichte geschrieben. Als Nachfolger von Christiaan Barnard sorgte er in schwierigen Zeiten des Apartheidsregimes für aufsehenerregende Fortschritte in der Herz- und Herz-Lungen-Transplantation. Zurückgekehrt nach München-Großhadern konnte er viele Menschenleben retten. Exklusive Einblicke in das Tagebuch seiner südafrikanischen Jahre dort … TAGEBUCH ELKE REICHART Pettenkofer, Nußbaum, Alzheimer, Sauerbruch – viele bekannte Namen finden sich in der Münchner Medizingeschichte. Eine der jüngeren Erfolgsgeschichten: Bruno Reichart etablierte in den Jahren ab 1980 die Herztransplantation und verpflanzte als erster Chirurg in Deutschland Herz und Lunge gleichzeitig. 1984 holte ihn Christiaan Barnard als seinen Nachfolger nach Südafrika, 1990 kehrte Reichart als Ordinarius an die Münchner Universität zurück. Bis heute forscht er, längst für viele junge Ärzte zum Vorbild geworden, an neuen bahnbrechenden Methoden in der Transplantationsmedizin. Gemäß seinem Credo als Arzt: Keinen Menschen verlorengeben! InSite veröffentlicht Auszüge aus den Südafrikanischen Tagebüchern seiner Ehefrau, der Journalistin Elke Reichart, aus dem Buch Herzensangelegenheiten (S. Fischer Verlage), erschienen im Dezember 2017 zum 50. Jahrestag der ersten Herztransplantation. MATTERS OF HEART Munich’s medical annals abound with famous names like Alzheimer and Sauerbruch. A recent success story: Bruno Reichart who from 1980 put heart transplants on the map in Germany and achieved the “double” of transplanting heart and lungs. In 1984 Christiaan Barnard fetched him to South Africa as his successor. Since 1990 he has been back at Munich University doing transplant research. With his credo “neversay die” he is a hard act to follow for younger surgeons. On the 50th anniversary of the first heart Die Berichte sind spannende Erinnerungen an eine Pionierzeit der Transplantationschirurgie vor dem Hintergrund der letzten Tage der Apartheid. Kapstadt 1984, kurz vor Heiligabend Das kleine Haus gehört der Universität, es heißt Cydonia und wird neu berufenen Professoren für die ersten Wochen in Kapstadt zur Verfügung gestellt. Cydonia – die Quitte. Symbol für Liebe, Glück, Klugheit, Schönheit, Beständigkeit und Unvergänglichkeit. Ein gutes Omen. Unser erstes Weihnachten in Südafrika. Unser erstes Fest als Paar. Als ich gestern aus dem Flugzeug steige, treffen mich der heiße Wind und eine Lautsprecher-Stimme: „Urgent! Professor Reichart! Please call Groote Schuur Hospital!“ Bruno Reichart ist der Mann, von dem ich hoffe, dass er mich in der Halle erwarten wird. Bruno Reichart ist zugleich aber auch INSITE 2018

HEALTH FOTOS ELKE REICHART, PRIVAT der Herzchirurg, der schon daheim in Deutschland 24 Stunden am Tag im Dienst war. Die University of Cape Town hatte ihn zum Herbst 1984 als Nachfolger des Pioniers der Herztransplantation, Christiaan Barnard, berufen. Und ich habe meinen Reporterjob gekündigt, mich zur freien Journalistin erklärt, mein bisheriges Leben aufgelöst und bin ihm nach Südafrika gefolgt. Januar 1985 Die unvermeidbaren Erfahrungen mit der Südafrikanischen Apartheid hatte Bruno gleich nach der Ankunft gemacht. In seiner Klinik wurden im August 1984 weiße Patienten nur von weißen Schwestern betreut, von denen es jedoch viel zu Wenige gab. An farbigen Schwestern dagegen herrschte kein Mangel. Ein absurder Zustand, den er schnell abschaffte. Inzwischen kümmert sich auf seinen Stationen keiner mehr um Hautfarben, sondern jede Pflegekraft um jeden Patienten. Und das sollte nur der erste Schritt sein: In Brunos zweitem Jahr wird auch die Rassentrennung auf den Zimmern abgeschafft. August 1985 Überall in den Townships wird jetzt gekämpft. Überall Aufruhr, Tränengas, Polizisten, Hunde. Bruno sagt, im Groote Schuur geht es zu wie im Krieg. September 1985 „Schreib alles auf, auch die unwichtigsten Kleinigkeiten,“ sagt mir der zur Berichterstattung eingeflogene Chefreporter der Süddeutschen Zeitung, Hans Ulrich Kempski, beschwörend, „Du lebst eine ganz außergewöhnliche Zeit mit, das ist Dir doch klar?“ Er sagt auch: „Faszinierend, in einem Land zu leben, in dem das Dach noch nicht einstürzt, aber die Erde so sehr wackelt.“ Freitag, der 13., Brunos 13. Herztransplantation in Südafrika. Der Spender ist ein 42jähriger Diakon der holländisch reformierten Groote Kerk, ihn hatte während der Unruhen ein Ziegelstein am Kopf getroffen. Der Empfänger ist überglücklich, dreimal gab es bereits ein Herz für ihn, jedes mal konnte er wegen Infektionen nicht operiert werden. Die Operation verläuft gut. Dezember 1985 Erster Advent, unvorstellbare 35 Grad im Schatten, die Schokoladen-Engel im Adventskalender sind geschmolzen. Die Patienten kämpfen. Am Bett einer Herz- Lungen-Patientin treffe ich deren Mutter, sie strömt ungeheuer viel Kraft aus und überträgt die Energie auf die gesamte Familie. Alle sind optimistisch: „Unsere Kleine ist ein Kämpfer.“ transplant in December 2017 the S. Fischer Verlag published his wife Elke Reichart’s account of his stint in South Africa, based on her diaries from which InSite has taken some excerpts. Cape Town, just before Christmas Eve 1984: The small house belongs to the university. Its name, “Cydonia” is a good omen meaning quince, which stands for love and happiness. Our first Xmas together in South Africa. At the airport there was an urgent PA message for Bruno: “Please call Groote Schuur Hospital!”. In Germany he was on standby round the clock too. When he was appointed Christiaan Barnard’s successor I gave up my steady job as reporter and followed him to South Africa. January 1985: when Bruno first started here only white nurses were allowed to tend white patients. But he has already done away with apartheid’s skin-colour nonsense on his wards. August 1985: trouble is brewing in the townships. Bruno says the Groote Schuur clinic is like a war zone. September 1985: Bruno’s 13th heart transplant in South Africa. The donor was killed by a brick thrown during a riot. The operation was a success. December 1985: first Advent Sunday, 35 degrees in the shade. Bruno did a heart & lung op on a young girl with lots of fighting spirit. 28th of December: Sadly, the young patient has died from an infection. Bruno: “These ops are still in their infancy. Our follow-up medication has to be improved.” February 1986: 50 hellbent Mandela supporters marched into our overcrowded assembly hall. August 1986: German patient Frank is in good shape after his heart & lung transplant. After a 12-hour-op Gerlinde needed a retransplant. October 1986: Bruno’s 13th heart & lung transplant. Easter 1989: Bruno has got the post he applied for, as research prof back in Munich. 28. Dezember 1985 Kurz danach erliegt die Patientin einer Infektion, ich trauere um die tapfere junge Frau. Bruno versucht, meine Emotionen mit Argumenten in den Griff zu kriegen. „Herz-Lungen-Transplantationen werden erst seit vier Jahren durchgeführt, wir sind noch ganz am Anfang, vergiss das nicht! Ich denke gar nicht daran, aufzugeben. Die Technik funktioniert, die Patienten überleben, sie überleben inzwischen immer länger! Wir müssen die medikamentöse Therapie optimieren.“ Wir schweigen. Ich denke an die Worte Walt Lilleheis, der in den 1950er Jahren in Amerika die ersten Operationen am offenen Herzen durchführte: „Wenn du in die Wildnis gehst, erwarte keine gepflasterten Straßen.“ Februar 1986 „Viva Mandela!“ – der Bus aus der Township ist eingetroffen. Mit erhobenen Fäusten trampeln etwa 50 Jugendliche in den überfüllten Saal, der gewünschte Respekt wird ihnen gezollt. „Es hat keinen Sinn, auf einen heroischen Tag irgendwann in der Zukunft zu warten!“ ruft der Vorsitzende, „Jetzt ist die Zeit zum Handeln!!“ Die Stimmung kocht, alle Fäuste sind nun in der Luft. August 1986 Bruno macht weiter mit seinem Herz-Lungen-Programm. Frank, einem weiteren deutschen Patienten, geht es gut. Gerlinde bekommt ihre Organe in einer 12-Stunden-Operation, sie muss sehr kämpfen. Als kurz darauf wieder ein passender Spender gemeldet wird, entschließt sich Bruno bei ihr zur Re-Transplantation. Danach ist er zufrieden: Diese Lungen passen besser. Oktober 1986 Ein perfekter Frühlingssonntag, von dem Bruno nichts mitbekommt: Er transplantiert heute seinen 13. Herz-Lungen-Patienten. Ein 20jähriger aus Johannesburg. Neuer OP-Rekord: fünf Stunden. Mai 1988 Die hiesige Ludwig-Maximilians-Universität München sucht für das nächste Jahr einen Herzchirurgen. Jetzt wird es ernst. Bruno wird sich bewerben. Juni 1988 Am 24. Juni wird im südafrikanischen Parlament zum allerersten Mal „Amandla“ gerufen – auf Xhosa und Zulu ungefähr für Macht! – der Gruß der Anti-Apartheid-Kämpfer. Die Zeiten ändern sich. Ostern 1989 In der Woche nach Ostern kommt der Telefonanruf: Bruno wird zum 1. Januar 1990 zurück an die Münchner Universität berufen. Die letzten Monate im fernen Südafrika haben begonnen. 2018 INSITE

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