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INSITE 2018

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INTERVIEW Lautlos wie

INTERVIEW Lautlos wie eine Katze betritt Sofia Coppola die Suite des Hotels Bayerischer Hof in München. Freundlich lächelnd nimmt sie Platz und bestellt beim Zimmerservice einen Espresso. Sie ist gertenschlank wie ein Model, trägt eine weiße Bluse mit feinen blauen Streifen und schwarze Jeans. Im Interview untermalt sie ihre Antworten gerne mit graziösen Gesten. Sie wirkt völlig unaufgeregt, ja fast sanft. Und es dauert nicht lange, da öffnet sie sich trotz ihrer Introvertiertheit auch privaten Fragen. Mrs. Coppola, Sie scheinen ein Faible für Luxushotels zu haben. Zumindest was Ihre Filme betrifft: „Lost in Translation“ spielt fast ausschließlich im Park Hyatt von Tokio, „Somewhere“ im Chateau Marmont …? … nicht zu vergessen der Episoden-Film New York Stories: Als Teenager habe ich im Filmsegment meines Vaters (Francis Ford Coppola; A.d.Red.) mitgespielt, Leben ohne Zoe. Gedreht wurde im berühmten New York Plaza. Ein tolles Hotel. Aber meine Vorliebe für schöne Hotels beschränkt sich nicht nur auf Filme! (Lacht) Auch im wirklichen Leben genieße ich den Luxus und die Exklusivität eines so wunderbaren Hotels, wie zum Beispiel hier gerade. Und wissen Sie, was das Beste daran ist? Meine Mutter Eleanor ist auch hier. Ich werde sie nach unserem Gespräch treffen, habe sie schon länger nicht gesehen und ich freue mich sehr auf unser Wiedersehen. Ihre Mutter ist mit ihrem eigenen neuen Film „Paris kann warten“ auf dem Filmfest. Sie hat gerade erzählt, dass sie durch Ihren Film „Lost in Translation“ ermuntert wurde, endlich einmal selbst Regie zu führen. Und das mit 80 Jahren! Bewundernswert. Das ist aber lieb von ihr. Das hat sie mir noch gar nicht gesagt. Es hat mich schwer beeindruckt, dass sie sich in ihrem reifen Alter diesen Traum erfüllt hat. In Ihrer Familie scheinen die Künstler-Gene sehr rege zu sein. Ihr Vater wurde als Filmemacher fünf mal mit dem Oscar ausgezeichnet; Sie selbst haben einen für „Lost in Translation“ bekommen. Ihr Großvater war Musiker und Komponist, Ihre beiden Cousins Nicolas Cage und Jason Schwartzman sind Schauspieler … Ja, in meiner Familie scheint die Kreativität und der Hang zum künstlerischen Schaffen irgendwie in unserer DNS eingeschrieben zu sein. Sie waren schon als Kind sehr oft bei Dreharbeiten Ihres Vaters dabei. Was haben Sie denn in der „Filmschule Francis Ford Coppola“ gelernt? REGAINED IN TRANSLATION Sofia Coppola is one of Hollywood’s brightly shining stars. At the Film Festival in 2017 a retrospective of her six films to date was held, and she talked about her latest, “The Beguiled”. She glides into the suite in the Hotel Bayerischer Hof with noiseless feline grace and with a friendly smile. Her manner is calm, friendly and gentle. She is said to be introverted but soon she opens up about her private life. InSite: You seem to have a soft spot for grand hotels in your films. “Lost in Translation” was set almost entirely in Tokyo’s Park Hyatt and “Somewhere” in the Chateau Marmont …? Sofia Coppola: In real life too I love the luxury of a great hotel, like the one we’re in now. My mother is staying here too. I haven’t seen her for ages and we’ll be able to have a long chat. Your mother’s busy promoting her very own debut as director, “Paris can wait”. At the age of eighty – amazing! She told us that “Lost in Translation” encouraged her to do so. That’s kind of her. She never told me that. Creativity runs in your family. Your father with his five Oscars, you with yours for “Lost in Translation”, your grandfather was a composer … Creative talent seems to be imprinted in our DNA. As a child you experienced your father on set. What did the Francis Ford Coppola School of Movies teach you? Everything! In particular all the technical details. And I heed his key piece of advice: always be authentic! Has the name Coppola helped you? It’s been a case of pros and cons. Essentially my work has to convince people. In “The Godfather, Part III” your father cast you as Mary Corleone. Why didn’t you stick to acting? I pretty well stumbled into that part because my father needed a substitute for Winona Ryder. But I already knew then that my real talent lay in writing and directing. Have other directors or actors influenced you? (Lacht) Alles! Ich habe meinem Vater jahrelang beim Filmemachen über die Schulter schauen können. Da habe ich wirklich alles gelernt, was man in Punkto Film lernen kann. Natürlich haben wir auch sonst immer sehr viel über das Filmemachen geredet. Über die technischen und theoretischen Dinge. Aber nichts geht über die Praxis. Als ich meinen ersten Film machte, wusste ich tatsächlich genau, was ich zu tun hatte. Der vielleicht wichtigste Ratschlag, den mir mein Vater bezüglich meiner Arbeit jemals gegeben hat, lautet: „Sei immer so authentisch wie möglich“. Diesen Rat versuche ich bei allem zu beherzigen, was ich tue – ob es Schreiben, Fotografieren oder Filmen ist. Es gehört sehr viel Mut dazu, in die Fußstapfen eines so berühmten Vaters zu treten. Sicher, aber jedes Kind muss sich doch von den Eltern emanzipieren. Das ist also nichts Besonderes. War es eigentlich immer ein Vorteil, den Namen Coppola zu tragen? Das kann ich nicht sagen. Es gab Vor- und Nachteile. Aber ich heiße nun einmal so. Ich kann ihn ja schwerlich ändern. Mir war wichtig, dass ich durch meine Arbeit überzeuge. Und das ist mir bisher, glaube ich, ganz gut gelungen. Mit 17 Jahren haben Sie auch unter der Regie Ihres Vaters in „Der Pate III“ Mary Corleone gespielt. Warum sind Sie eigentlich nicht bei der Schauspielerei geblieben, sondern Regisseurin geworden? In diesen Film bin ich mehr oder weniger hineingestolpert. Mein Vater brauchte sehr schnell Ersatz für Winona Ryder, denn die hatte kurzfristig absagt. Also hat er mich gefragt, ich habe ihm den Gefallen getan. Aber ich habe schon damals gespürt, dass meine Interessen und Stärken wohl eher anderswo liegen, nämlich im Schreiben und Regieführen. Das Filmfest in München ehrte Sofia Coppola 2017 mit einer Retrospektive INSITE 2018

INTERVIEW Sie haben dann ziemlich schnell Ihren ganz eigenen, oft sehr intim wirkenden Stil gefunden. Es war mir sehr wichtig, eine eigene Handschrift zu haben. Und die formt ja bekanntlich das Leben. Ich war immer offen für andere Menschen und Dinge und habe mich dadurch sicher auch beeinflussen lassen. Außerdem habe ich schon immer sehr viel gelesen, Musik gehört und mich für Kunst interessiert. Auch das viele Reisen. Hatten Sie je Vorbilder? Sicher gab es Filmemacher und natürlich auch Schauspieler, die ich bewundert habe. Doch das ging nie so weit, dass ich darüber meine eigene Persönlichkeit vernachlässigt oder gar aufgegeben hätte. Ich finde diese geistige Unabhängigkeit sehr wichtig. Vor allem, wenn man selbst etwas Originelles schaffen will. Bei Ihrem Vater waren sicher unzählige Hollywoodstars zu Gast. Wer hat sie denn als junge Frau am meisten beeindruckt? Sie werden lachen: Das waren nicht die bekannten Hollywood-Ikonen, sondern eher Kameramänner, Drehbuchautoren oder Produktionsdesigner. Ich habe mich schon sehr früh für die praktische Seite des Filmemachens interessiert. Kein Filmheld, bei dem Sie schwach wurden? Nein, nicht wirklich. Wie gesagt, ich habe viele Menschen für ihr Talent bewundert. Und mit einigen hatte ich inzwischen ja auch das große Vergnügen zusammenarbeiten, wie zum Beispiel mit Nicole Kidman, Colin Farrell und jetzt auch wieder Kirsten Dunst in Die Verführten. Und natürlich mit Scarlett Johansson und Bill Murray in Lost in Translation. Okay, für Bill Murray schwärme ich immer noch über die Maßen. (Lacht) Ich gestehe: Wenn ich ein Mann wäre, dann wäre ich gerne Bill Murray. Stimmt der Eindruck, dass Sie nur die Filme machen, die Sie auch wirklich machen wollen? Ja! Danke, dass Sie das ansprechen. Eine Familie, der das Genre Film im Blut zu liegen scheint: Eleanor, Francis Ford und Sofia Coppola The ones I admire, but art, music, my travels, in other words life in general, have honed the style I’m known for. Being intellectually independent is paramount. Plenty of Hollywood stars were guests at your father’s. Which of them impressed you most in your youth? Not the famous icons but rather camera men, script writers and designers. Did you never fall under the spell of any of those matinée idols? Not really, but if I were a man, I’d want to be like Bill Murray. You seem to follow your principles when making a film. Is it hard to keep one’s integrity in Hollywood? That’s always tricky, but I’m like my „Wenn ich ein Mann wäre, dann wäre ich gerne Bill Murray. “ ich mit Leidenschaft führe, solange es Sinn macht. Ich habe mich allerdings auch schon mit Studio- Bossen überworfen und bin aus Projekten ausgestiegen. Aber bei Die Verführten war alles so, wie ich es wollte. Deshalb bin ich auch sehr glücklich darüber. Denn worum geht es beim Filmemachen, wenn nicht darum, seine künstlerischen Visionen umzusetzen? Welche ist wohl Ihre seelische Grundtönung? Süße Melancholie. Ich glaube, ich bin gern melancholisch. Und ich bin immer noch ziemlich schüchtern. Ich öffne mich nur sehr engen Freunden wirklich. FOTO AGENTUR SABINE BRAUER, PR Schwierig, in Hollywood Integrität zu bewahren? Ich bin fest davon überzeugt, dass man Integrität einfach hat – oder nicht. Und ich kann eben nicht anders. Wenn ich einen Film mache, dann muss ich voll und ganz hinter ihm stehen können. Das heißt auch, dass ich mir die Kontrolle darüber nicht aus der Hand nehmen lasse. Bitte keine faulen Kompromisse! Integrität habe ich bei meinem Vater gesehen und höchstwahrscheinlich auch von ihm geerbt. Aber einen Film genau so machen zu können, wie man ihn sich künstlerisch vorstellt, das ist immer sehr schwer. Das ist immer ein Kampf, den father: no compromising! I’ve walked out on studio bosses, but in the case of “The Beguiled” no one tinkered with my vision. What’s your prevalent mood? Sweet melancholy. Nothing lasts forever. Even the beautiful flowers in my mother’s garden wither. How do you relax? Perhaps in a bubble bath. Here in my suite right after our chat. Woher rührt denn Ihre Melancholie? Vielleicht weil ich weiß, dass alles einmal ein Ende hat. Nichts ist ewig. Ein Beispiel: Meine Mutter hat einen wunderschönen Garten, in dem ich mich, wenn ich Zeit habe, sehr gerne aufhalte. Aber auch da verblühen die Blumen, und die Pflanzen beginnen zu welken. Und wie regenerieren Sie sich nach einem langen Arbeitstag am liebsten? (Lacht) Vielleicht mit einem duftenden Schaumbad gleich hier, in meinem Hotelzimmer? 2018 INSITE

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